Warum gute Raumgestaltung Bewegung, Neugier und Selbstständigkeit fördern kann
Wie sieht ein Raum aus, wenn wir ihn einmal mit den Augen eines Kindes betrachten?
Vielleicht wird aus einer Treppe plötzlich ein Weg nach oben.
Aus einer Öffnung ein Versteck.
Eine Stange lädt zum Hangeln ein, eine Wand zum Klettern:
Eine erhöhte Ebene eröffnet eine vollkommen neue Perspektive.
Kinder betrachten Räume und erleben sie
Sie greifen, ertasten, klettern, verstecken sich, beobachten und probieren aus.
Genau dieser Gedanke stand am Anfang eines besonderen Projektes, welches wir für eine Kindertagesstätte realisieren durften.
Entstanden ist ein maßgefertigter Spiel- und Kletterturm aus Holz.
Oder wie wir ihn lieber nennen: eine Spiel- und Erfahrungsebene.

Wenn der Raum selbst zum Spielgefährten wird
Bei der Gestaltung von Räumen für Kinder braucht es klare Funktionen und sichere Strukturen.
Ein besonderer Reiz liegt aber darin Möglichkeiten offen- und zuzulassen.
Was passiert, wenn ein Kind selbst entscheiden kann, ob es die Treppe hinaufgeht,
sich unter der Hochebene zurückzieht,
an den Stangen entlanghangelt oder sich an der
Boulderwand seinen eigenen Weg sucht?
Der Raum beginnt, Geschichten anzubieten, ohne sie fertig zu erzählen.
Genau darin liegt für uns eine besondere Qualität kindgerechter Raumgestaltung.
Klettern, hangeln, entdecken



Dabei geht es um viel mehr als Beschäftigung
Beim Klettern und Hangeln müssen Kinder Entfernungen einschätzen, Bewegungen koordinieren und Entscheidungen treffen:
Welchen Griff erreiche ich?
Wo setze ich meinen Fuß hin?
Schaffe ich den nächsten Schritt?
Eine kleine Herausforderung, die gestern noch zu groß war und heute plötzlich gelingt.
Aus einem scheinbar einfachen Spielelement entsteht eine Vielzahl kleiner Erfahrungen.
Und jedes Kind kann die Konstruktion auf seine eigene Weise entdecken.
Auch Rückzug gehört zum Entdecken
Bewegungsräume für Kinder werden schnell mit Aktivität verbunden.
Doch genauso wichtig sind die ruhigen Bereiche dazwischen.
Kinder suchen kleine Höhlen, Nischen und geschützte Plätze häufig ganz selbstverständlich auf.
Ein großer Raum bekommt dadurch plötzlich einen kleinen Raum.
Einen Ort, an dem sich die Perspektive verändert und das Geschehen für einen Moment aus etwas Abstand beobachtet werden kann.
Aus diesem Grund haben wir Rückzugsmöglichkeiten bewusst in die Spiel- und Erfahrungsebene integriert.
So wechseln sich Aktivität und Ruhe, Offenheit und Geborgenheit innerhalb einer Konstruktion ab.
Holz das man sehen und fühlen darf
Für uns gehört zu einem Raum für Kinder auch eine Materialität, die sinnlich erfahrbar bleibt.
Bei diesem Projekt prägt helles Holz die gesamte Gestaltung.
Seine Maserung bleibt sichtbar.
Flächen fühlen sich warm an und Kanten und Ausschnitte sind weich ausgearbeitet.
Dazwischen setzen die farbigen Bouldergriffe kleine, fröhliche Akzente.
Wir mögen diese Zurückhaltung sehr.
Gerade eine ruhige Basis kann den Dingen Raum geben, die später ohnehin Farbe hineinbringen
Kindern, ihrem Spiel und ihrer Fantasie.
Details zum Anfassen
Manche Details eines Projektes erschließen sich erst aus der Nähe.



Für uns als Raummanufaktur sind genau diese Übergänge spannend.
Ein Griff muss gut funktionieren.
Eine Öffnung muss richtig positioniert sein.
Eine Konstruktion muss belastbar sein.
Und am Ende soll alles wirken, als hätte es nie anders sein können.
Planung, Konstruktion und Handwerk werden zu einem Ganzen.
Kindgerechte Räume brauchen keine fertige Geschichte
Wir planen die Räume.
Wir bestimmen Maße, Materialien, Konstruktionen und Funktionen.
Wir können Möglichkeiten schaffen für etwas das ein Kind darin erleben kann.
So entsteht Raum für Selbstständigkeit.
Räume die Kinder wachsen lassen
Wir sollten die Raumgestaltung für Kindertagesstätten und Kindergärten neu denken.
Bei der Planung von Kindergärten und Kindertagesstätten wird viel über notwendige Funktionen gesprochen.
Doch wir sollten uns eine Frage stellen:
„Was kann dieser Raum Kindern ermöglichen?“
Individuell geplante Einbauten können vorhandene Flächen anders nutzbar machen.
Spiel- und Bewegungselemente lassen sich mit Stauraum, Rückzugsorten oder unterschiedlichen Ebenen verbinden.
Gerade die Maßanfertigung eröffnet dabei Möglichkeiten, die standardisierte Lösungen kaum bieten können.
Ausgangspunkt ist nicht das fertige Möbel.
Ausgangspunkt ist der Raum und das, was darin geschehen soll.
Geben wir Kindern Raum
Unser Spiel- und Kletterturm zeigt, wie aus einer individuellen Idee ein Raum entstehen kann, der Kinder zum Entdecken einlädt.
Treppen, Hangelstangen, Klettergriffe und kleine Rückzugsorte werden zu einer Spiel- und Erfahrungsebene, die jeden Tag aufs Neue erobert werden darf.
Und das Schönste daran: Wie dieser Raum genutzt wird, bestimmen die Kinder selbst.
Sie werden eigene Wege entdecken, ausprobieren, vielleicht umkehren und einen neuen Versuch wagen.
Sie werden klettern, sich verstecken, beobachten und gemeinsam spielen.
Geben wir den Kindern diese Freiheit, ihren eigenen Weg durch den Raum zu finden.
Zum realisierten Projekt
Den dazugehörigen Spiel- und Kletterturm haben wir als individuelle Spiel- und Erfahrungsebene
für eine Kindertagesstätte geplant, konstruiert und gefertigt.
→ Projekt ansehen: Spiel- und Kletterturm für eine Kita

Hallo, ich bin Kirsi und schreibe im Stammstark Magazin über Raumgestaltung, Materialien und Interior-Ideen. In meinen Beiträgen verbinde ich Inspiration mit Einblicken in Planung und Gestaltung individueller Raumkonzepte.
Gemeinsam mit Falk Gembus entstehen Inhalte, die Design, Funktion und handwerkliche Umsetzung aus der Stammstark Raummanufaktur zusammenführen.
